Haupttext

Dass der Rathauschor alljährlich am 2. Adventssonntag in einer der Saarlouiser Kirchen das Hochamt musikalisch mitgestaltet, hat eine lange Tradition. Diesmal sang er in der Kirche St. Marien in Picard. Chordirektor (ADC) Walter Langenfeld hatte für diesen Sonntagsgottesdienst Tröstet mein Volk von Gerhard Raabe, Im Advent, da brennen Kerzen von Robert Pappert, Die Himmel rühmen von Ludwig van Beethoven und Sanctus von Dimitri Bortniansky ausgewählt. Als Ausgangspunkt seiner Predigt wählte Pastor Simon Huynh die Textstelle Jesaja 40, 1–11, in welcher der Prophet dem Volk Trost und Hoffnung gibt.

Sein Familienfest feierte der Rathauschor anschließend in der Feuerwache West. Schwaggi hatte wieder ein vorzügliches Menü angerichtet: Rindfleischsuppe mit Markklößchen, Tafelspitz mit Meerrettich, Lammhaxen, Kroketten, Salzkartoffeln sowie verschiedene Gemüse und Salate. Am Nachmittag wurden dann noch Kaffee und Kuchen serviert – gebacken von den Sängerfrauen.

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In zwei Auftritten sang der Rathauschor Weihnachtslieder aus seinem umfangreichen Repertoire. Brigitte Bilz, Chefsekretärin des Rathauschores, trug die gleichnishafte Geschichte von den vier Adventskerzen Frieden, Glauben, Liebe und Hoffnung vor.

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Zwischen den beiden Auftritten kam der Nikolaus zum Fest und wurde wie gewohnt stimmgewaltig begrüßt. Sein Kommentar hierzu: Wie gewohnt ein lautstarker, schriller Empfang.

Diesmal hatte Pastor Simon Huynh nicht gekniffen. Vom Nikolaus bekam er zu hören:

Vor vier Jahren hatte ich die Befürchtung geäußert, Deine allzu volkstümliche Ausdrucksweise könnte die Ernsthaftigkeit Deiner Predigten beeinträchtigen. Auf meine spätere Nachfrage hattest Du geantwortet, Du hättest Dich gebessert wie’n Sau. Das gab mir sehr zu denken… Auf meine Frage, ob Du wieder auffällig geworden seiest, hatte im vergangenen Jahr Dein Ziehvater und Bewährungshelfer Anton Heidger erklärt: Des Öfteren. Deine heutige Predigt war – zumindest was die volkstümliche Ausdrucksweise angeht – unauffällig. Darin sehe ich eine Bestätigung, dass Du – wenn auch nur schwer – so doch erziehbar bist. Im Übrigen war – wie ich hörte – Deine heutige Predigt so gut und so tröstlich, dass Du noch einmal vor den Augen des Nikolaus Gnade findest.

Zum Familienfest war auch der Oberbürgermeister mit seiner Gattin gekommen. Für ihn hielt der Nikolaus eine günstige politische Prognose bereit:

Lieber Roland Henz, Du bist heute Morgen im Hochamt gewesen, hast den Rathauschor singen und Pastor Simon Huynh predigen hören. Auch bist Du in jüngster Zeit so oft in Kirchen und bei kirchlichen Veranstaltungen gesehen worden, dass Dir allmählich ein Heiligenschein wächst. Gegen einen Hl. Roland wird Jamaika auch mit christlichem Vorzeichen keine Chance haben.

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Dem Chorleiter Walter Langenfeld gab der Nikolaus den Rat, sich im kommenden Jahr nicht wieder mit Projekten zu überbürden, sondern stärker auf die Herzrhythmusstörungen zu achten und auf die klugen Ratschläge seiner Frau zu hören. Und eine weitere Empfehlung schickte er nach: Dämpfe künftig Deinen Zorn und lasse Dich nicht zwischen I. Tenor und II. Bass, zwischen Hansi Amann und Hansi Himbert zerreiben.

Lob fand Volker Horn, der Hüter des nie verlorenen Schatzes, der dem Rathauschor mit Fantasie und Hartnäckigkeit Geldquellen erschließt, sparsam die Bestände hütet, nie negative Bilanzen vorlegt und sich nie im Gewirr der Zahlen verirrt, wie die 23-seitige Schlussabrechnung des Benefizkonzertes beweise.

Ein trauriger Anlass war für den Nikolaus der Abschied des langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden. Er bat Josef Klein zu sich und sagte:

Lieber Josef. Du wirst demnächst Saarlouis und den Rathauschor verlassen und zu Deiner Tochter nach Kassel ziehen. Vierzehn Jahre hast Du als Vorsitzender die Geschicke des Rathauschores gelenkt, hernach als Ehrenvorsitzender auch weiterhin im Vorstand mitgewirkt und immer wieder Sonderfunktionen ausgeübt. Im Kriminaltango hast Du den Herrn mit dem Kneifer erschossen und für Clementine hast Du die Mundharmonika gespielt. Mit Vergnügen erinnert sich der Nikolaus auch noch an das etwas despektierliche Gedicht, das Du ihm vor zwei Jahren vorgetragen hast.

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Der Rathauschor ist Dir zu Dank verpflichtet und dankt Dir auch – wie ich sicher weiß – von ganzem Herzen. Nach so vielen gemeinsamen Jahren fällt der Abschied allseits schwer. Als Erinnerung an deine Zeit im Rathauschor habe ich Dir ein Fotobuch mitgebracht, das Harald Amann mit viel Liebe konzipiert und gestaltet hat. Die Aufnahmen zeigen Dich bei vielen Gelegenheiten im Kreise Deiner Sangesbrüder, bei offiziellen Anlässen, bei Konzerten, Feiern und vielen anderen Ereignissen. Auf einem der Fotos bist Du recht hemdsärmelig mit Klaus Jürgen Wussow abgebildet, dem Darsteller des Prof. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik. Eine Porträtaufnahme zeigt Dich in Feuerwehruniform und erinnert an Deine Zeit als Oberbrandmeister und Löschbezirksführer. So wie auf den Fotos haben Dich alle, die hier sitzen, in all den Jahren gesehen und auch weiterhin vor Augen. Deine vielen Freunde würden sich über häufige Besuche in Saarlouis freuen, wo Du so viele Jahrzehnte gewirkt hast.

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Auf die Reise geben wir Dir auch noch etwas Rotwein mit, damit Du in Kassel zeigen kannst, wie trinkfest man im Saarlouiser Rathauschor und bei der Feuerwehr ist. Wobei offen bleiben muss, wo eifriger gelöscht wird.

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Zum Schluss wandte sich der Nikolaus den Enkelinnen der Sänger Harald Amann und Peter Müller zu. Völlig unbefangen unterhielten sich Katelyne Amann und Maya Falkenstein mit ihm, erzählten aufgeweckt von Kindergarten und Schule und von ihren schönen Lieblingsbeschäftigungen. Als Nachwuchskräfte für den Rathauschor werden sie allerdings nicht in Betracht kommen, solange sich der reine Männerchor nicht den Frauen öffnet. Es hat nicht den Anschein, als könne die Empfehlung des Nikolaus hier eine Veränderung bewirken.

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Text: Hans Jörg Schu

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